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Geschichte
Die Nationallotterie entstand infolge der Wirtschaftskrise am Ende der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Die Regierung Charles de Broqueville hoffte, das Haushaltsdefizit von Belgisch Kongo mit einer Lotterie ausgleichen zu können. Am 29. Mai 1934 wurde der Kolonialminister mit einem Gesetz und einem Königlichen Erlass zur Organisation einer Koloniallotterie ermächtigt.
Dass die Regierung mit einer Lotterie eine Lösung suchte, war nicht außergewöhnlich. Mit dem Gesetz von 31. Dezember 1851 wurde es möglich, Lotterien zu organisieren, wenn sie für wohltätige Zwecke, kulturelle Projekte oder für Zwecke öffentlichen Nutzens eingerichtet wurden, unter der Bedingung, dass die lokale, regionale oder nationale Regierung zustimmte. Die Aufgabe der öffentlichen Lotterie bestand darin, das Spielbedürfnis der Menschen zu kanalisieren und die Gewinne wieder in die Gesellschaft zurückfließen zu lassen.
Die erste Ziehung der Koloniallotterie fand am 18. Oktober 1934 im Königlichen Zirkus statt. Der Preis für ein Los betrug 100 Franken. Wenn man dies in den heutigen Geldwert umrechnet wird ersichtlich, dass ein solch enormer Betrag unmöglich in zwei Millionen Exemplaren verkauft werden konnte. Bei der zweiten Ziehung wurde die Anzahl an Losen und der Preis pro Loses halbiert. Fünftellose sorgten dafür, dass die Teilnahme für jeden möglich wurde. Dank schneller Analysen und adäquater Antworten konnte die Koloniallotterie auf das Vertrauen eines ständig wachsenden Publikums rechnen.
Die Nettogewinnbeteiligung ging über de Koloniale Staatskasse an den Fonds für Inländisches Gemeinwohl des Kongos. Der Ertrag eines zusätzlichen Franken beim Verkauf der Teillose war eine substanzielle Finanzspritze, um einer Reihe sozialer und philanthropischer Vereinigungen (wie dem Nationalen Hilfswerk für Kriegsinvaliden, dem Nationalen Hilfswerk für Veteranen und Kriegsopfer, dem Nationalen Hilfswerk für Blinde, dem Nationalen Hilfswerk für Kinderwohl, dem Roten Kreuz usw.) Arbeitsmittel zu gewähren.
Während dem Zweiten Weltkrieg wurden die Aktivitäten der Koloniallotterie ausgesetzt. Die Regierung sorgte mit der Winterhilfs-Lotterie für Kontinuität. Von Januar 1941 bis September 1944 gingen die Erträge dieser Lotterie an bedürftige Opfer des Kriegs.
Die Tätigkeiten der Koloniallotterie wurden nach dem Krieg wieder aufgenommen.
Mit dem Königlichen Erlass vom 27. Dezember 1945 wurde erstmals der Gewinnverteilungsplan geändert. Die Zuteilung der Prämie auf die Teillose wurde prozentual festgelegt; eine Reihe von Vereinigungen fiel weg, einige neue kamen hinzu, wie die von ‘Königin Elisabeth’ für ärztlichen Beistand an Eingeborenen und der Gesellschaftsfonds von Kivu. Mit dem Königlichen Erlass vom 3. Mai 1947 kam hier noch die Stiftung Pater Damiaan hinzu.
Es kamen allmählich Stimmen auf, um die wachsenden Gewinne nicht länger ausschließlich der Kolonie vorzubehalten, sondern auch einen Teil davon dem eigenen Land zukommen zu lassen. Hinsichtlich der Organisation der Weltausstellung in Brüssel 1958 sah das Gesetz vom 27. Juli 1953 vor, dass 40.000.000 BEF des jährlichen Gewinns 18 Jahre lang an diese Organisation gehen und der Rest an den Fonds für Inländisches Gemeinwohl fließen soll. Mit demselben Gesetz sah man auch vor, dass die Hälfte des Gewinns einer speziellen Osterausspielung dem Nationalen Katastrophenfonds des Roten Kreuzes von Belgien zugeführt wird, um den Opfern der Springflut von 1. Februar 1953 zu helfen.
Nach der Unabhängigkeit des Kongos am 30. Juni 1960 wurde der Name Koloniallotterie per Königlichem Erlass in ‘Afrikanische Lotterie’ geändert. Da dies bei der Bevölkerung keinen Anklang fand wurde mit dem Königlichen Erlass vom 10. Dezember 1962 die ‘Nationallotterie’ ins Leben gerufen und gleichzeitig dem Finanzministerium unterstellt.
Am 6. Juli 1964 wurde ein Sondergesetz zur Nationallotterie verabschiedet, um das Fortbestehen der Nationallotterie ausdrücklich mit ständigen Bestimmungen zu sichern. Die Nationallotterie wurde als Dienststelle des Finanzministeriums mit gesonderter Geschäftsführung aber ohne eigene Rechtsfähigkeit umorganisiert. Sie stand unter der Autorität des Finanzministers und wurde von einem Verwaltungskomitee geleitet, das aus acht hohen Beamten aus verschiedenen Ministerien bestand. Die tägliche Geschäftsführung wurde einem Beamten des Finanzministerium anvertraut, der den Titel Generaldirektor bekam. Von nun an mussten die Nettogewinne einerseits für die Finanzierung von Projekten zugunsten der Landbevölkerung in Entwicklungsländern und andererseits für Projekte öffentlichen Nutzens verwendet werden, die vom Ministerrat beschlossen wurden.
Dieses juristische Instrumentarium musste es der Nationallotterie ermöglichen, eine Politik zu betreiben, um dynamisch auf internationale Herausforderungen reagieren zu können.
Die schweren Überschwemmungen von 1976 in Ruisbroek gaben nicht nur Anlass, den Opfern über den Katastrophenfonds einen helfenden Geldstrom zukommen zu lassen, sondern auch zu einschneidenden Änderungen innerhalb der Nationallotterie. Das Gesetz vom 12. Juli 1976 änderte das vom 6. Juli 1964 und erweiterte die Aktivitäten der Nationallotterie, um an internationale Trends anschließen zu können. Tatsächlich erhielt der Finanzminister die Befugnis, um neben der bereits bestehenden Lotterie mit Losen jetzt auch eine Lotterie mit Zahlen zu organisieren. Dies führte zur Einführung von Lotto und Toto. Dasselbe Gesetz legte erneut fest, dass der Nettogewinn nicht ausschließlich für Entwicklungshilfe verwendet wurden durfte, sondern dass ein Teil davon für Zwecke öffentlichen Nutzens verwendet werden musste. Jedes Jahr musste eine Sonderausgabe der Lotterie mit Losen zugunsten des Nationalen Katastrophenfonds organisiert werden.
Am 4. Februar 1978 fand die erste Lottoziehung statt. Nach einem bescheidenen Beginn mit einem Einsatz von 18.563.260 BEF wurden kaum einen Monat danach 80 Millionen Franken eingesetzt. Nach zwei Jahren konnte die Nationallotterie ihren Gewinn verdoppeln. Das Jahr 1978 ist daher auch ein Meilenstein in der Geschichte der Nationallotterie. Der mittelgroße Betrieb wuchs zu einem imposanten Großbetrieb heran. Mit der Vervierfachung des Personals hielt die Nationallotterie Einzug in ein Hochhaus, in dem davor das Hotel Westbury war, in der Nähe des Zentralbahnhofs. Bis 1974 gab es nur zwei Vertreiber des Loseverkaufs, 1981 vereinbarten 70 Händler einen Vertrag mit der Nationallotterie.
Im Sog des immer beliebteren Lottos wurden bald danach andere Ideen getestet. Es kamen Toto auf, die Fußballtipps, es wurden eine neue Art der Lotterie mit Losen auf den Markt gebracht, ‘Sweepstake’, wo die Lose an das Ergebnis eines Pferderennens und eine Ziehung geknüpft waren. Diese Spiele hatten allerdings wenig Erfolg. Denn das Publikum interessierte sich für Lotto im Sinne einer klassischen Lotterie. Der Versuch, diese Lotterie attraktiver zu gestalten, zuerst mit einem angefügten doppelten Los mit Instant-Lotterie und danach mit der Einführung des Baraka-Loses, führten nicht zum gewünschten Erfolg. Die Instant-Lotterie Presto (1983) und Subito (1987) dagegen ernteten enormen Beifall.
Mit dem Anstieg des Umsatzes der Nationallotterie wurde die Ausschüttung der Gewinne attraktiver, und es gab parlamentarische Anfragen an den Finanzminister über u.a. den konkreten Wortlaut des Begriffes ‘Zwecke öffentlichen Nutzens’. Mehrere Königliche Erlasse sollten darauf eine Antwort geben. Der Königliche Erlass vom 27. Dezember 1979 listete die Art der Institutionen auf, die in der einen oder anderen Form für eine Subventionierung in Frage kommen konnten, wie Einrichtungen für minderjährige oder erwachsenen Behinderte, geschützte Arbeitsplätze, Schulen für besonderen Unterricht, Wohnheime für Senioren usw. Der Königliche Erlass vom 23. August 1982 setzte sich detaillierter mit dem ‘Ziel öffentlichen Nutzens’ auseinander und unterteilte es in folgende Kategorien: Sport, Kunst und Kultur, Natur und Umweltschutz, wissenschaftliche Forschung, Veranstaltungen, die sich positiv auf das nationale Ansehen oder auf das soziale, ökonomische oder kulturelle Leben auswirkten. Einiges später sollte der Königliche Erlass vom 24. Januar 1991 diese Definition noch erweitern und alle Aktivitäten in breiten Sinne des sozialen, familiären, humanitären, patriotischen oder wissenschaftlichen Bereichs belgischer Vereinigungen ohne Erwerbszweck sowie Projekte öffentlichen Nutzens einbeziehen. Infolge einer Nobelpreisverleihung richtete die Regierung mit dem Gesetz vom 3. Oktober 1983 einen ‘Überlebensfonds dritte Welt’ ein, der von der Nationallotterie finanziert werden sollte. Seit 1984 wurde die Verteilung der Nettogewinne für jeden Bereich prozentual festgelegt: 35% für Entwicklungshilfe, 25% für den ‘Überlebensfonds dritte Welt’ und die ‘Zwecke öffentlichen Nutzens’ und 40% für andere Einrichtungen wie den Solidaritätsfonds Belgien, das Rote Kreuz von Belgien, die Stiftung der europäischen Forschung zur Krebsbekämpfung und das Königliche Münztheater.
Neben den direkten Subventionen erhielten zahlreiche Vereinigungen ab 1980 eine zusätzliche Unterstützung in der Form von Sponsoring. Im Prinzip wurden der gesamte Sportbereich und alle kulturellen Veranstaltungen berücksichtigt, in der Praxis hatte vor allem der eigentliche Wert des Events, die budgetären Möglichkeiten und die Wirkung der Werbung Vorrang. Qualitativ hochwertige Veranstaltungen, die sich an ein breites Publikum richteten, wurden eher berücksichtigt als elitäre. Das Lotto-Radteam wurde 1984 gegründet und bildete das Flaggschiff des Sportsponsorings.
Unter Anwendung des Sondergesetztes vom 16. Januar 1989 bezüglich der Finanzierung von Gemeinschaften und Regionen wurden 27,44% des Subventionshaushalts der Nationallotterie den drei (deutschen, französischen und flämischen) Gemeinschaften unseres Landes zugeteilt. Diese konnten selbst über dessen Verteilung in den Bereichen Sport, Kultur, Wissenschaften, Fremdenverkehr, Sonderschulen, Behindertenhilfe, Umwelt usw. beschließen.
1978 war das ‘Lotto-Jahr’, d.h. ein äußerst wichtiger Moment bei der Entwicklung des Gewinns, danach war 1991 vor allem organisatorisch von großer Bedeutung. Im Rahmen der Regierungspolitik, die die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein des gewerblichen öffentlichen Dienstes verstärken wollte, wurde die Nationallotterie ab dem 1. September 1991 zu einer selbstständigen Einrichtung öffentlichen Nutzens mit Rechtsfähigkeit unter der Aufsicht des Finanzministers umgebildet. Die Nationallotterie musste sich nicht länger auf die Organisation von öffentlichen Lotterien nach gewerblichen Methoden beschränken, sondern hatte auch das Recht, ihre Installationen und ihr Know-how rentabel zu machen, Übereinkünfte mit Lotterien ausländischer Staaten oder mit anderen Personen zu schließen, sei es, um gemeinsame Projekte durchzuführen oder um ihre jeweiligen Produkte auf den Markt zu bringen.
Die Zuteilung der Gewinne wurde größtenteils selbst entschieden, außer was die Subventionierung der Nationalen Kasse für Katastrophenschäden betraf. Hierfür gab es anstatt einer schwankenden Subvention eine jährliche Dotation, die eine Sonderziehung der Lotterie mit Losen einbrachte. Auch die König-Baudouin-Stiftung erhielt eine jährliche Dotation. Die Subventionierung verlief nunmehr nach einem Verteilungsplan, der jährlich von einem vom Ministerrat besprochenen Königliche Erlass auf Vorschlag des Finanzminister festgelegt wurde. Diese Verteilungspläne waren an die Hauptziele des öffentlichen Nutzens gebunden, wie vom Königlichen Erlass vom 20. Februar 1992 festgelegt. Die Umstrukturierung von 1991 machte sich bemerkbar. Zeitgleich mit dem Wachstum des jährlichen Umsatzes, des Gewinns und der Ausbreitung des Personalbestands erfolgte eine grundlegende Änderungen der Organisation und der Ausrüstung der Verwaltungsdienste, die dynamischer werden mussten. Die Nationallotterie wartete mit der 1991 gegründeten Abteilung ‘Produkte und Forschung’ mit einem schnelleren Rhythmus und verschiedenen Innovationen auf. Rubbelspiele wie Domino, 21, Tele-Kwinto, gekoppelt an ein Fernsehspiel, Scrratch und Trix wurden auf den Markt gebracht. 1992 wurde mit der Automatisierung des Lotto/Joker-Verkaufsnetzes begonnen. Seit April 1993 waren die 4.200 Annahmestellen mit einem Online-Terminal ausgerüstet. Diese Terminals wurden über das Telekommunikationsnetz mit dem Zentralrechner der Nationallotterie verbunden und übertrugen die Teilnahmedaten direkt. So konnten die Teilnehmer bis kurz vor der Ziehung spielen.
Die Einführung der zweiten wöchentlichen Ziehung von Lotto und Joker am 6. Oktober 1993 war ein Erfolg. Die tägliche Keno-Ziehung (1995) versuchte den Wünschen eines anderen Spielertyps entgegenzukommen.
Im September 1996 wurde wegen der Einführung eines ‘Jackpot-Fonds’ die Satzung des Lottos angepasst. Das Geld dieses Fonds kam vom Abzug von 3% des Einsatzes jeder Lottoziehung.
Am 3. Oktober 1998 wurde der Preis des Lottos angepasst. Ein Tippfeld kostete von nun an 20 BEF anstatt 10 BEF. Dies war die erste Preisangleichung seit der Geburt des Lottos am 4. Februar 1978. Diese Preiserhöhung ging mit der Entwicklung der Inflation einher. Der Preis für ein Brot hat sich in diesem Zeitraum beinahe verdoppelt; für ein Brot von 1 kg musste man 30 BEF bezahlen, 1998 waren es 57 BEF, eine Zeitung kostete 1978 10 BEF und eine Briefmarke für einen normalen Brief 8 BEF. Gleichzeitig wurden Ausschüttungen an die Spieler erhöht.
Die internationalen Kontakte mit anderen Staatslotterien breiteten sich mehr und mehr aus. Mit der Strukturänderung von September 1991 erhielten sie einen zusätzlichen Impuls. Bei der universalen Ziehung von Sevilla am 9. Mai 1992 waren bereits 14 Länder aus allen Kontinenten, außer Australien, vertreten. Die Tradition der Ziehung einer europäische Lotterie, die 1988 in Madrid begann, wurde fortgesetzt.
Regelmäßig wurde das Angebot an Rubbellosen angepasst, um den Wünschen und Erwartungen des Publikums entgegenzukommen. Mit Bingovision lancierte die Nationallotterie 1997 erneut ein Fernsehspiel. Magico und Eldorado wurden 1997 kreiert, Picto, Subit’Euro und Win For Life 1998. Dieses neueste Rubbellos, mit dem die Gewinner für den Rest ihres Lebens einen monatlichen Betrag von 1.000 Euro erhielten, hatte sehr viel Erfolg. 1997 entwickelte die Nationallotterie eine eigene Homepage im Internet, wodurch ab 1998 die direkte Kommunikation mit den Spielern mögliche wurde. Im selben Jahr zog die Nationallotterie in die Belliardstraße um. Das Verkaufsnetz erfuhr 1999 eine wichtige Änderung. Bislang stellten 70 Alleinvertreter die Verbindung zwischen der Nationallotterie und ihrem Verkaufsnetz her. Jetzt wurde diese Aufgabe von neun regionalen Büros übernommen, bemannt mit eigenem Personal. Diese 9 Büros (4 in Flandern, 4 in Wallonien und 1 in Brüssel) bedienten alle Annahmestellen des Landes. Einhergehend damit wurde das EDV-Material der Online-Geschäftsführung ersetzt, und es wurde auch die Verwaltungsinformatik geändert (15 EDV-Server, ein Netzwerk aus über 7.000 Online-Annahmestellen, Speicherkapazität von über 1.000 Milliarden Schriftzeichen, 240.000.000 vom Online-System jährlich zu verarbeitende Transaktionen, über 220.000.000 zu verarbeitende Lotterielose, Spitzen von teils über 12.500 Transaktionen pro Minute).
Die Auswahl an Rubbellosen wurde im Zeitraum 1999-2000 weiter mit Bingo Express und Kosovo ergänzt, wobei der Ertrag in vollem Umfang zu Hilfeleistungen im Kriegsgebiet floss. Dann kamen noch Astro, Cybero und Loxo. Seit 2001 wurde eine neue Art saisonabhängiger Rubbellose vom Publikum gut angenommen: Halloween, Valentine, Pascal und Cyclo.
Auf dem Gebiet der Zahlenlotterien entwickelte die Nationallotterie 2001 ein Abonnementsystem, bei dem der Spieler an Lotto/Joker-Ziehungen teilnehmen kann, ohne jeweils tippen gehen zu müssen. Nach Win for Life wurde Cabrio das populärste neue Rubbelspiel. Seit Mai 2002 war es möglich, mit dem Rubbelspiel einen Wagen zu gewinnen. Nach dem Sommer wurde Cabrio durch Corso ersetzt. Mit diesem Spiel konnte nicht nur Geld, sondern auch eine Reise gewonnen werden.
Die Vergrößerung des Produktangebots war einer der Hauptgründe für den Anstieg des Jahresumsatzes im Zeitraum 1991-2001. Die jährliche Erhöhung ihres Umsatzes um 5%, welche die Nationallotterie gemäß dem für die Jahre 1995 bis 2001 geltenden Betriebsplan hätte erreichen sollen, wurde jedoch nicht immer erreicht. Nach dem Erfolgsjahr 1999 zeichnete sich ein Stockung und selbst ein Rückgang der Geschäftszahlen ab.
2002 fand eine einschneidende Veränderung statt, da die Regierung beschloss, die Nationallotterie in eine Aktiengesellschaft öffentlichen Rechts umzubilden. Das Gesetz vom 19. April 2002 ermöglichte es ihr auf dynamische Weise, auf eine sich schnell entwickelnde Gesellschaft zu reagieren. Die Nationallotterie wurde jetzt von einem Vorstand geleitet, bestehend aus 14 Mitgliedern einschließlich dem Vorstandsvorsitzenden. Am 13. Februar 2003 erfolgte die Anstellung eines völlig neuen Leitungsausschusses. Dieser bestand aus Sachverständigen, die sich ihre Sporen meist in privaten Betrieben verdient hatten. Die erste Aufgabe bestand darin, den Betrieb gründlich umzustrukturieren und mit einer neuen Satzung als AG vorzubereiten. Im Vergleich zu anderen AGs blieb der Staat der einzige Aktieninhaber, wodurch der Betrieb seine soziale Rolle, die zu seinem Grundsatz gehörte, weiterhin wahrnehmen konnte. Die Beziehungen zwischen dem Aktieninhaber (dem Staat) und der Nationallotterie wurden in einem fünfjährigen Verwaltungsvertrag festgelegt. Darin wurde bestimmt, dass die Nationallotterie als sozial verantwortlicher, professioneller Anbieter von Spielvergnügen auftreten musste. Sie musste das Spielverhalten in Belgien zielgerichtet kanalisieren und einer breiten Gruppe von Menschen durch das Anbieten von Unterhaltungsspielen Spielvergnügen bereiten. Sie musste die Gefahr der Spielsucht abwenden und zur Vorbeugung und Behandlung von Spielabhängigkeit und zum Schutz von Minderjährigen beitragen. Der Verwaltungsvertrag gab auch die Berechnung und Bezahlung des Monopolzinses, die Sonderbeiträge und den Prozentsatz des Gewinns vor, der jährlich für die Finanzierung von Programmen für Hilfeleistungen in Entwicklungsländern, für Zwecke öffentlichen Nutzens und andere Hilfszwecke festgelegt wurde. Das Gesellschaftsziel der Nationallotterie blieb also unverändert, doch die neue Satzung gab dem Betrieb mehr Bewegungsfreiheit, womit beispielsweise europäische Kooperationsverbände gebildet werden konnten. Bei den neuen europäischen Gegebenheiten war diese Form der Zusammenarbeit einerseits wegen der schwierigen Position des Monopols bei der Organisation von Lotterien und andererseits durch die vielen Möglichkeiten, die sich bei Kooperationsverbänden mit anderen europäischen Lotterien boten, unentbehrlich geworden. Eine konkrete Aktion in diesem Bereich war Euro Millions als neue Aktivität mit großen Gewinnen ab Oktober 2004. Intern wurde zu einer weitaus intensiveren Kommunikation und strafferen Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und dem Leitungsausschuss übergegangen. Der hierarchische Vorrangstellung des Vorstandsvorsitzenden innerhalb der Nationallotterie wurde fortan stärker betont. Es wurde ein neues Betriebsorganigramm aufgestellt, und die Befugnisse jeder Abteilung wurden schriftlich festgelegt. Er wurde ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Erfahrung und Gediegenheit, die dem Hause anhafteten, und der erfrischenden Betriebskultur neu eingestellter Kräfte, die aus dem Privatsektor kamen, angestrebt.
Dieser Dynamisierungsprozess wirkte sich ungemein auf den Verkaufsprozess aus. Dem Ausbau und der Optimierung des Verkaufsnetzes wurde sehr viel Beachtung geschenkt. Ein Entwicklungsteam wurde mit der Untersuchung und Umsetzung eines neuen Gewerbekonzeptes betraut. Neben der Dreimonatsschrift LO Contakt der Nationallotterie für den Verkaufskanal erschien nunmehr auch häufiger der treffsichere Newsletter LO News, die digitale Kommunikation verlief schnell und es wurde ein Netzwerk aus 24 Gewerbeagenten eingerichtet. Ein Gesamtpaket an Relationship-Marketing schaffte eine Win-Win-Situation für beide Parteien, wobei die Verkaufsmotivation und somit auch die Verkaufsresultate ein höheres Niveau erreichten. Um den Kundendienst noch zu verbessern wurden 2003 neue Altura-Terminals in 5.400 Annahmestellen installiert. Ein Infodisplay für die Spieler und ein Touchscreen für den Verkäufer sorgten für mehr Effektivität.
Die Bemühungen, um stets neue Produkte anzubieten, die den Wünschen der verschiedenen Verbrauchergruppen entsprachen, wurden fortan von der neuen Abteilung ‘Strategy & Business Development’ noch mehr intensiviert. Die Produkterneuerung musste auf umfassenden Marktuntersuchungen gründen, d.h. dass neue Produkte nach dem Geschmack und der Vorliebe der Verbraucher auf den Markt gebracht wurden.
Bei den Online-Spielen wurde das Pick-3 ins Leben gerufen. Charakteristisch für Joker und Keno als kleiner Bruder des Lottos war, dass sie beide eine größere Chance auf einen etwas kleineren Betrag boten. 2003 wurde in der Kategorie der Rubbellose mit der Einführung der neu gestalteten Cabrio- und Loxo-Lose, gefolgt vom Lucky-Six-Los, die Tendenz der Line-Extension fortgesetzt. In der zweiten Jahreshälfte sorgte die Einführung von fünf neuen Rubbelprodukten (Cleopatra, Casino, Halloween, Rubbel-Glückwunschkarten und 2004 for Life) im Vergleich zum selben Zeitraum im vorigen Jahr für einen Mehrverkauf von 14%. 2004 kannte dieser Erfolg dann mit den neuen Rubbellosen Fun for Life, Kop & Munt, Shoot Goal und Shoot Smash auch eine logische Fortsetzung.
Der 25. Geburtstag des Lottos 2003 wurde mit viel Engagement begangen, wobei man mit einem speziellen Lotto-Formular und einem Einsatz von mindestens 5 Euro direkt 1.000 oder 10.000 Euro und später im Jahr selbst 1.000.000 Euro gewinnen konnte. Die Umsatzsteigerung des Geburtstagskinds Lotto von 6,6% im Vergleich zu 2002 war vor allem der besseren Planung der Jackpots zuzuweisen. 2003 wurden 15 Jackpots für einen Gesamtbetrag von 39.000.000 Euro umorganisiert. Die große Image-Kampagne des Lottos 2004 ging mit dem großen Traum einher, den jeder kennt, der (bereits) Lotto gespielt hat: ‘jetzt bin ich dran’.
Nach 70 Jahren Nationallotterie wurde ein Festprogramm mit einer speziellen Lotto-Ziehung von 7.000.000 Euro, dem größten Jackpot Belgiens aller Zeiten, dem speziellen Rubbellos Subito 70, einer Ausstellung ‘Im Bann des Spiels, 70 Jahre Nationallotterie’, der Herausgabe eines Buches ‘Lotterien in Europa, fünf Jahrhunderte Geschichte’, einer akademischen Sitzung und einer großen Festveranstaltung aufgesetzt.
Seit Sommer 2006 wurden die klassischen Sommer-Jackpots von Lotto/Joker durch einen ständigen Jackpot ersetzt, wobei jeden Samstag und Mittwoch 250.000 Euro in den Jackpot flossen, und dies 20 Wochen lang. Die Einführung neuer Rubbellose bezweckte einerseits, bestehende Spiele mit neuen Variationen zu verbessern (Casino Prestige, Subito XL, Presto XL…) und andererseits den Wünschen der ‘Fun-Sucher’ entgegenzukommen, also Spielern, die immer auf der Suche nach etwas Neuem (Passport, Sesamo, King oder Cash…) sind. Manche Rubbelspiele waren mit der Welt des Sports verbunden, wie das Rubbellos, das aus Anlass der 100 Jahre BOIC, Podium (F1, Radrennen, Pferderennen) und Goal herausgegeben wurde. Andere Rubbellose gingen auf Trends ein (Star Wars und Pink Panther, die zeitgleich mit dem Film auf den Markt gebracht wurden), oder auf populäre Spiele (Pacman, Monopoly).
Um einer Reihe vom Staat auferlegten Aufgaben entgegenzukommen schenkte die Nationallotterie der Vorbeugung von Spielsucht und dem Schutz von Minderjährigen besondere Beachtung. Bei der Kreation neuer Produkte wurde nicht nur spezifischen Parametern Rechnung getragen, die dazu beitrugen, eine Spielsucht zu verhindern, denn 2006 startete die Nationallotterie auch eine intensive Kampagne für ‘Verantwortliches Spielen’.
Trotzt der Umstrukturierung in eine moderne Handelsorganisation blieb die soziale Besorgnis, die eng mit ihrer historischen Grundlage verbunden war, in der Nationallotterie stets präsent. Allerdings fand 2002 ein Stilbruch im Bereich der Subventionen statt: Fortan bat die Nationallotterie darum, dass die Begünstigten das Bestehen und den Erhalt dieser Subventionierungen bekannt gaben forderte sie auf, in ihrer Umgebung erkenntlich zu machen, dass ihr Projekt eine finanzielle Unterstützung der Nationallotterie erhielt. Dies war für die institutionellen Kampagnen ‘Sie spielen, Sie helfen’ und ‘die Nationallotterie schafft Chancen’ zusätzlich überzeugend.
Die Subventionsphilosophie, die Subventionsverteilung und die Beantragung einer Subvention konnte seit 2004 gebündelt als Subventionscharta eingesehen und beantragt werden.
Für die Nationallotterie hatte schon immer das humanitäre Engagement vorrang. Sie subventioniert weiterhin die Generaldirektion der Entwicklungshilfe und den Belgischen Überlebensfonds. Sie passt sich ständig an die unaufhörlich wachsenden Notstände in der Welt an, in der die Bedürfnisse immer größer werden. Sie will Chancen schaffen und setzt hierfür seit 2006 neue Akzente: Sie hilft neuen Organisationen beim Starten ihrer Projekte. Sie will jugendlichen Chancen bieten, um ihre Talente im kulturellen, sportlichen und wissenschaftlichen Bereich zu entwickeln. Sie unterstützt viel versprechende Vereinigungen oder Organisationen, die Schwierigkeiten haben, um ihre Projekte zu verwirklichen. Sie sorgt dafür, dass schlechter gestellte Bürger an sportlichen oder kulturellen Veranstaltungen teilnehmen können.
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